Rückblick in meine Kindheit

Rückblick Kindheit – oder Kind sein dürfen

Rückblick in (m)eine Kindheit!

Wenn ich so darüber nachdenke, fühlte ich mich in der Kindheit auf vielerlei Art etwas verloren in dieser mir unendlich groß erscheinenden Welt, in die ich da hinein geboren wurde. Alles mit den passenden Worten zu beschreiben konnte oder wollte ich es früher nicht, das kam erst viel später.

Dank solcher Sätze wie ‚… träumst Du schon wieder‘ oder ‚… schaust Du durch die Menschen hindurch, das ist unhöflich‘ und so vieles mehr, habe ich nichts erwidert. So ganz genau kann ich mich nicht mehr daran erinnern oder ich habe es vielleicht auch einfach nur verdrängt. Aber ich erinnere mich zumindest noch genau, dass ich mich sehr oft völlig unverstanden von den Erwachsenen fühlte.

Ebenso weiß ich auch noch wie heute – für mich gab es als Kind nichts Schöneres, als draußen in der Natur zu sein – stundenlang und völlig ohne Spielzeug konnte ich da verweilen. Unbeschwert sprang ich mit unserem Hund über die Wiesen, die Felder und durch die nahe gelegenen Wälder. Ich fühlte mich frei und spürte dabei immer große Freude, sowie Begeisterung und war immer mit dem ganzen Herzen dabei.

Die Langweile in Form von Gedanken ‚Was soll ich jetzt nur mit mir allein anfangen‘ kannte ich damals nicht. Ich konnte auch stundenlang allein in meinem Zimmer spielen und es gab genug Abenteuer zu entdecken.

Inzwischen bin ich auch ganz gut im NICHTSTUN – aber selbst dabei verspüre ich keine Langeweile und kann sehr gut mit mir ALLEIN SEIN – glücklich und zufrieden.

Obwohl ich als Kind immer sehr schnell Spielkameraden gefunden habe, war ich doch auch gerne ganz allein unterwegs und erforschte die Welt auf meine ganz eigene Art und Weise, so wie es mir gerade in den Sinn kam – immer mit unserem treuen Hund an der Seite.

Es kann gut sein, dass meine Mutter damals immer mal wieder etwas Angst um mich hatte. Aber gezeigt hat sie es mir damals nie und ein Verbot, dass ich nicht alleine unterwegs sein durfte, sprach sie auch niemals aus. Dafür bin ich ihr heute noch sehr dankbar.

Mir ist sehr wohl bewusst, dass wir heute weit entfernt davon sind, die Kinder in so jungen Jahren schon ganz allein durch die Welt ziehen zu lassen.

 

Die Eindrücke der Kindheit wurzeln am tiefsten.
(Karl Emil Franzos)

Gedanken die Wirklichkeit werden

Kaum etwas konnte mich damals mehr begeistern als die Tierwelt. Stundenlang saß ich mit unserem Hund mitten auf einem gepflügten Weizenfeld und verharrte dort geduldig, ruhig und ganz still vor einem, von unzähligen Mäuselöcher. Dabei malte ich mir in Gedanken das Bild einer Maus aus, die genau aus diesem Loch herauskommen würde.

Leise flehte ich sie (bzw. dieses Bild im Kopf) im Stillen an, dass sie sich doch bitte zeigen sollte. Und so geschah es am Ende tatsächlich immer. Niemals wurde ich enttäuscht! Heute nennt man dieses Vorgehen übrigens auch Visualisieren.

 

Die Kindheit ist eine Welt an sich, in der es keine Vergangenheit und Zukunft als Problem gibt, sondern nur die ewige Gegenwart. Jedes Ding, jede Blume, alles was es gibt, ist für das Auge eines Kindes sinnvoll. Ein großer Spielplatz scheint die ganze Welt zu sein. Wenn es überhaupt ein Paradies gibt, dann sollte es wie die Kindheit sein, natürlich und einfach.
(von Cosmin Neidoni)

Mit Eidechsen habe ich es genauso gehalten. Ich kannte sehr viele Plätze, an denen ich diesen Geschöpfen sehr nahe sein konnte. Natürlich habe ich auch manchmal zum Schrecken meiner Mutter, eines dieser Tiere mit nach Hause gebracht, um es für einige Tage zu beobachten.

Ich habe mich immer mit all den Tieren verbunden gefühlt, habe ihnen gelauscht, sie beobachtet und sehr oft mit ihnen gesprochen. So durfte ich auch so viel Schönes erleben, ob mit Mäusen, Eidechsen, Blindschleichen, Vögeln, Schmetterlingen oder andere Arten der Tierwelt. Und diese Verbundenheit zu Tieren ist mir bis heute erhalten geblieben.

Kind sein dürfen

Mit zwölf Jahren hatte ich mein erstes Pony zur Pflege, mit dem ich tun und lassen konnte, was immer ich wollte und mir gerade so in den Sinn kam. So lange ich es gut versorgte und mich auch vor dem Putzen nicht drückte, stand mir nichts im Wege.

Gerade zu dieser Zeit war ich völlig verträumt und dadurch auch oft völlig entrückt aus der realen Welt. Ich sah mich selbst damals immer ein wenig als eine Mischung aus Pippi Langstrumpf und Michel aus Lönneberga.

Wenn ich durch den Ort in Richtung Wiesen, Felder und Wälder ohne Sattel ritt, hatte ich immer dasselbe Lied auf den Lippen und sang ganz laut: „Faul sein ist wunderschön, liebe Mutter glaube mir, wenn die Sonne scheint und die Blumen blühn, hat die Arbeit längst noch Zeit!“

Ich kletterte auf Bäume, stibitzte mir mal hier einen Apfel, mal dort eine Kirsche oder eine Birne und Pflaumen. Ich wusste genau, was ich auf den Wiesen essen konnte und was nicht. Ich liebte Sauerampfer, aß jedoch niemals so viel, dass es mir schlecht davon wurde oder ich davon Magenprobleme bekommen hätte.

Wenn ich Durst hatte, trank ich schon auch mal aus Pfützen, ansonsten aus einem kleinen Bachlauf. Eine Zeit lang habe ich sogar den Kaugummi von der Straße wegkratzt und einfach in den Mund gesteckt.

Im Wald baute ich kleine Mooshütten, oder spielte am Bach. Ich baute mir kleine Boote, die jedoch nur in meiner Fantasie danach aussahen. Egal, denn Hauptsache sie wurden vom Wasser dahin getragen. Ich liebte mein Spuckrohr mit dem ich Holunderbeeren durch die Gegend spuckte.

Obwohl ich inzwischen zu jenen Menschen gehöre, die so gut es mir möglich ist in der Gegenwart leben, liebe ich den Blick zurück in meine Kindheit noch heute sehr. Schöne Dinge bleiben tief im Herzen und es ist gut so – kein Grund all dies zu verdrängen.

 

Nicht der Besitz an materiellen Gütern erhellt die Kinderjahre, sondern die Liebe und Gemütsverfassung der Eltern.
(Rudolf von Tavel)

Heute bringt mich der Sohn meiner Nichte mit seiner Art oft in diese Unbeschwertheit und Leichtigkeit zurück. Und wenn ich in solchen Momenten tief in mich hineinfühle, dann spüre ich dieses Gefühl von Freiheit erneut.

Ich liebe das laute herzhafte Lachen und das VERRÜCKT|SEIN ohne sich dafür zu schämen oder in die Schranken verwiesen zu werden.

Leider können viele Kinder heute durch zu wenig Zeit der Eltern, durch zu viel Programm, vorzeitiges Lernpensum und ein Überangebot an materiellen Gütern und vieles mehr, gar nicht mehr so richtig Kind sein.

 

Die Kindheit ist keine »Vorbereitungszeit«, sondern besitzt Eigenwert.
(Joachim Ringelnatz)

Und wir Erwachsenen scheuen uns leider auch sehr oft, dass ewige Kind in uns zum Ausdruck zu bringen. Doch was spricht denn dagegen, dass wir mit nackten und vielleicht schmutzigen Füßen über Wiesen laufen, über Bäche springen, denn Vögeln bei ihren Melodien zu lauschen oder die Schmetterlinge in ihrem Flug beobachten?

Wenn wir aufmerksam hinsehen, können wir die unzähligen Farben sehen und nichts ist mehr einfach nur Schwarz oder Weiß in dieser Welt!

 

Kindheit hat ihre Geheimnisse und Wunder – aber wer kann sie erzählen, und wer kann sie deuten? Wir sind alle durch diesen stillen Wunderwald gewandert – wir haben alle einst in seliger Betäubung die Augen geöffnet, und die schöne Wirklichkeit des Lebens überflutete unsere Seele. Im Herzen war es hell wie Frühlingshimmel, frisch wie Veilchenduft – still und heilig wie ein Sonntagsmorgen.(von Friedrich Max Müller)

Erinnerst du dich gerne an deine Kindheit zurück?
Findest du dich vielleicht ein Stück weit in meinen Worten wieder?
Wie denkst du über das Kind sein dürfen bezogen auf die Zeit jetzt?

Ich wünsche dir ganz viel Freude & Begeisterung,
sowie alles Liebe,
Lill ♥

 

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4 Replies to “Rückblick Kindheit – oder Kind sein dürfen”

  1. Schöner Text und vor allem in Bezug auf die heutige Kindheit leider so wahr. In einem heutigen Gymnasiums-Alltag bleibt kaum Zeit für die Abenteuer die ich als Kind noch erleben konnte. Manches ist (auch wieder leider) Fluch und Segen zugleich.
    Danken wollte ich Dir auch noch für Deine lieben Worte.
    Dir und Deinen Lieben ein tolles Wochenende.
    VG, Michéle

    1. Liebe Michéle,
      ich danke Dir für deine Worte und freue mich sehr. Das mit dem Fluch und Segen sehe ich wie mit Licht und Dunkelheit, es gehört immer zu jedem Leben, heute wie damals auch schon in unserer Kindheit ;o) Die Schattenseite habe ich in meiner Geschichte nur nicht erwähnt. Wir können diese Schattenseiten (das Negative) verdrängen (bringt aber nichts) oder eben annehmen und eventuell minimieren so gut es geht und dabei den Kindern Aufmerksamkeit & Freiraum schenken, so weit es Eltern eben möglich ist.

      Alles Liebe, Lill ♥

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