Der phänologische Kalender

Phänologischer Kalender – Jahreslauf der Natur

Der phänologische Kalender

Heute kennt jedes Kind die vier Jahreszeiten in Form von Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Doch die Bauern wissen seit Jahrhunderten durch Beobachtungen der Natur, dass es da noch mehr gibt – den sogenannten phänologischen Kalender. Bei diesem Kalender kommen noch sechs weitere Jahreszeiten dazu.

Als Begründer der Phänologie gilt übrigens der schwedische Naturwissenschaftler Carl von Linné (1707 – 1778). In Deutschland begann man im 19. Jahrhundert mit der systematischen Erfassung. Es gibt ein großes Netz von Beobachtungsstellen. Meist wird es betreut von Landwirten, Förster, Naturliebhabern oder auch passionierten Hobbygärtnern.

Für Bauern, Gärtner und auch die Imker ist diese Art Kalender zuverlässiger als der astronomische Kalender. Denn während bei uns schon die Tulpen blühen, liegt anderswo im Land teils noch immer eine Schneedecke. Aus diesem Grund ist es sinnvoller sich bei den anstehenden Gartenarbeiten nach der Natur zu richten – insbesondere eben an der Entwicklung der Vegetation.

Ein gutes Beispiel dafür ist der Rosenschnitt, denn hier findet erst dann ein Rückschnitt statt, wenn die Forsythienblüten sich gänzlich geöffnet haben. Erfahrungsgemäß ist zu dieser Zeit der Frost vorbei.

Obstbaumwiese im März

Die zehn Jahreszeiten

Vorfrühling

dieser beginnt mit der ersten Blüte der Schneeglöckchen, sowie der Haselsträucher und Weidenkätzchen. Es ist auch die Zeit für den Schnitt der Obstbäume und Gräser. Zudem werden in dieser Zeit die alten Blütenstände und Abgestorbenes von den winterharten Stauden entfernt.

Erstfrühling

die Blüte der Forsythien läuten den Erstfrühling ein. Kurz darauf folgen auch die Blüten der Kirschen, Birnen und Pflaumen. Jetzt ist die Zeit für den Rückschnitt der Rosen und das Düngen gekommen. In dieser Zeit wird der Rasen vertikutiert und wenn nötig auch nachgesät. Zudem können nun auch Radieschen, Karotten und Salate ins Beet.

Vollfrühling

es ist die Zeit der Apfelblüte. Auch der Flieder kündigt seinen Einzug an und die Entwicklung der Pflanzen ist in vollem Gange. Nun beginnt die Zeit, in der man regelmäßig seinen Rasen mäht. Nach den Eisheiligen können auch die Tomaten und andere frostempfindliche Gemüsesorten ins Freie.

Frühsommer

der rote Klatschmohn ist die typische Zeigerpflanze für den Frühsommer. In dieser Zeit fällt die erste Heuernte an. Die Gärtner sind mit Unkraut jäten beschäftigt und lockern hier und da den Boden auf. Die zweijährigen Pflanzen werden gesät und vorgezogene Sommerpflanzen werden eingepflanzt. Es ist meist auch die Zeit, in der vermehrt die Schnecken abgesammelt werden.

Hochsommer

die ersten Linden blühen und auch der Winterroggen ist reif für die Ernte. Auch die ersten Johannisbeeren können geerntet werden. Außerdem werden schon die Sommerstauden ausgeputzt und die Sträucher, die schon im Frühsommer geblüht haben, wieder zurückgeschnitten. Die ersten Zucchini und Tomaten können zu dieser Zeit geerntet werden.

Spätsommer

die ersten frühen Apfelsorten und auch die Pflaumen künden jetzt langsam das Ende des Sommers an. Es ist nun an der Zeit den Kompost umzuschichten. Nun können auch Herbstblüher gepflanzt werden und der Feldsalat, sowie auch Spinat kann schon ausgesät werden.

Frühherbst

es ist die Zeit der schwarzen Holunderbeeren. Zu dieser Jahreszeit erreicht die Obsternte ihren Höhepunkt. Es ist die ideale Zeit um die Zwiebeln der Frühblüher zu stecken.  Eine Düngung des Rasen steht an. In dieser Jahreszeit bietet sich auch der Formschnitt der Hecken an und die Herbstpflanzung für Stauden und Sträucher kann stattfinden.

Vollherbst

Langsam beginnt sich das Laub zu verfärben und Kastanien, Eicheln und Bucheckern fallen gereift von den Bäumen. Es ist auch die Zeit für die Ernte der Walnüsse. Zu dieser Zeit wird das Wintergetreide und die Kartoffeln geerntet. Für die Kübelpflanzen ist es der Moment, wieder ins Winterquartier einzuziehen.

Spätherbst

noch gibt es zwar einige warme Tage, doch die Sonne hat längst ihre Kraft verloren. Die ersten Bäume werfen ihr Laub ab. Es ist die ideale Zeit um die wurzelnackten Rosen zu pflanzen. Sehr empfindliche Pflanzen erhalten ihren Winterschutz, denn es kann schon den ersten Frost geben. In dieser Zeit kann man auch den Grün- und Rosenkohl ernten.

Winter

die Laubbäume und viele andere Pflanzen haben ihr Blätter gänzlich verloren. Die Natur liegt nun im Schlaf und es wird ruhig im Garten. Es ist an der Zeit, den Frostschutz in den Beeten zu prüfen und die Immergrünen im Auge zu behalten, denn sie brauchen immer wieder mal etwas Wasser. Gegen Ende des Winter kann an frostfreien Tagen an auch den Obstbaumschnitt gedacht werden.

Gefrorenes Gewässer im März

Natur beobachten

Natürlich hätte ich das ganze noch viel ausführlicher Schreiben können, doch es hätte den Rahmen gesprengt. Es soll nur aufgezeigt werden, dass sich der phänologische Kalender mit seinen zehn Jahreszeiten an der jährlich wiederkehrenden, genauen Abfolge der Natur orientiert.

Wenn man die Natur beobachtet, kann man genau ableiten was im Garten ansteht. Für mich persönlich spielt daher der meteorologische oder kalendarische Kalender keine Rolle, denn darauf kann ich mich in Bezug auf den Garten nicht verlassen.

Für heute genug der vielen Worte,
alles Liebe für Dich,
Lill ♥

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2 Replies to “Phänologischer Kalender – Jahreslauf der Natur”

  1. Liebe Lill,

    ich finde Deine Impulse immer super und die Länge passt auch. Genügend Info, um neugierig zu werden. Vertiefen kann man das Wissen dann ja selbst.

    Für mich spielt der gregorianische Kalender auch keine große Rolle mehr, er dingt lediglich noch als Gerüst für die Eckdaten wie Weihnachten, Ostern und die Schulferien. Dann ist aber auch schon wieder gut. Ich versuche sogar immer mehr, auch die Wocheneinteilungen links liegen zu lassen, weil es einfach unsinnig ist, sich der Taktung Arbeit/Freizeit zu unterwerfen. Und am Montag schon das Wochenende herbeizusehnen, nimmt so unglaublich viel von der Qualität des Jetzt weg.

    Danke für Deine tollen Inputs.

    Liebe Grüße
    Veronika

    1. Liebe Veronika,
      vielen Dank für deinen Besuch und deine lieben Worte zum heutigen Post. Ich bin inzwischen auch schon ein ganzes Stück weit von derartigen Taktungen entfernt und lasse mich auch von Außen nicht unter Druck setzen. Das 'Warten' auf Wochenende, Urlaub, Ereignisse etc. hört man sehr oft und es stimmt schon etwas traurig, wenn ich so etwas aus dem Umfeld mitbekomme. In dieser Hinsicht fällt mir immer wieder auf, wie reich gesegnet ich bin und was für ein wunderschönes Leben ich leben darf – im Moment.

      Alles erdenklich Liebe, Lill ♥

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